Mit der AQUABOX entsteht in Stuttgart-Zuffenhausen ein neuer Typus kommunaler Infrastruktur: ein vollwertiges Hallenbad in Holzmodulbauweise, weitgehend im Werk vorgefertigt, rückbaubar und für den Einsatz an mehreren Standorten konzipiert. Nach der Eröffnung Mitte September 2026 stellt es zunächst in Zuffenhausen Wasserflächen für Schulen, Vereine und die Öffentlichkeit bereit. Später soll das Gebäude nach Möhringen und schließlich an seinen dauerhaften Standort in Untertürkheim versetzt werden.
Das Projekt verbindet die Präzision des Holzmodulbaus mit den hohen funktionalen, technischen und bauphysikalischen Anforderungen des Bäderbaus. Entwickelt wurde das Konzept von POOL out of the BOX. Realisiert wurde es durch das Unternehmen als Totalübernehmer gemeinsam mit 4a Architekten, dem Holzbauunternehmen Blumer Lehmann und weiteren Fachplanern.
Modularer Holzbau für eine komplexe Bauaufgabe
Insgesamt 46 Holzmodule bilden wesentliche Teile des zweigeschossigen Gebäudes. Im Erdgeschoss nehmen sie die Schwimmbadtechnik, Personal- und Nebenräume auf, im Obergeschoss Umkleiden und Sanitärbereiche. Das einheitliche Modulmaß von 3,50 × 9,90 Metern schafft die Grundlage für die serielle Fertigung und den hohen Vorfertigungsgrad. Die Module wurden weitgehend im Werk hergestellt, nach Zuffenhausen transportiert und vor Ort montiert, angeschlossen und justiert. Der abschließende Ausbau erfolgte bei diesem Pilotprojekt noch teilweise auf der Baustelle. Bei künftigen Anwendungen soll auch dieser Arbeitsschritt weiter ins Werk verlagert und die Montagezeit vor Ort zusätzlich verkürzt werden. Die Badehalle folgt einer ergänzenden Konstruktion in Elementbauweise. Brettschichtholzbinder überspannen mehr als 19 Meter. Eine eigens entwickelte Unterkonstruktion aus Brettsperrholz trägt das gefüllte, rund 770 Tonnen schwere Edelstahlbecken.
Für Demontage und Wiederaufbau geplant
Das architektonische und konstruktive Prinzip lautet „Designed for disassembly – built to last“. Architektur, Tragwerk, Gebäudehülle, Schwimmbadtechnik und Ausbau wurden von Beginn an auf Montage, Betrieb, Demontage und Wiederaufbau abgestimmt. Die wesentlichen Anschlüsse – von Schraubverbindungen über Abdichtungen bis zu Leitungsübergängen – sind lösbar ausgebildet. Auch das 25-Meter-Becken mit fünf Bahnen und Teilhubboden folgt dieser Logik: Es besteht aus acht Edelstahlsegmenten, die beim Rückbau getrennt und am nächsten Standort erneut zusammengefügt werden können.
Nachhaltig über den gesamten Lebenszyklus
Die Nachhaltigkeit der AQUABOX beruht nicht allein auf der Verwendung von Holz. Entscheidend ist, dass das Gebäude nicht an einen einzigen Standort gebunden ist. Die Module und Bauteile können über mehrere Nutzungsphasen hinweg eingesetzt werden und bleiben damit langfristig im Baukreislauf. Der Holzbau reicht von der tragenden Konstruktion über die Fassaden bis zur Unterkonstruktion des Beckens. Lösbare Verbindungen erleichtern die Wiederverwendung der Bauteile und reduzieren den Materialverlust beim Standortwechsel. So entsteht eine zirkulär gedachte Infrastruktur, deren Nutzungsdauer weit über den ersten Einsatz in Zuffenhausen hinausreicht.
Funktionalität und Gestaltung
Das kompakte Hallenbad ist klar organisiert. Eingang, Technik und Personalräume befinden sich im Erdgeschoss, die Badeebene mit Umkleiden und Sanitärbereichen im Obergeschoss. Das 25-Meter-Edelstahlbecken verfügt über fünf Bahnen und einen Teilhubboden und eignet sich für den Schul- und Vereinssport ebenso wie für den öffentlichen Badebetrieb. Die modulare Konstruktion bleibt auch architektonisch ablesbar. Die klare Bauform entwickelt sich aus dem Raster der Holzmodule. Unterschiedliche Grautöne der Holzfassade greifen die Gliederung des Gebäudes auf und verleihen dem kompakten Baukörper eine eigenständige Erscheinung.
„Für uns als Architekten mit Schwerpunkt im Bäderbau war es eine spannende Aufgabe, die gestalterischen, funktionalen und technischen Anforderungen eines Hallenbads in ein modulares und rückbaubares Gebäudesystem zu übersetzen. Darin liegen große Chancen für die Verbindung von Vorfertigung, Wiederverwendung und kommunalem Bäderbau.“
Ernst Ulrich Tillmanns, 4a Architekten
Projekt der IBA’27
Die AQUABOX ist ein Projekt der Internationalen Bauausstellung 2027 StadtRegion Stuttgart. Sie steht beispielhaft für einen ressourcenschonenden Umgang mit kommunaler Infrastruktur und zeigt, wie sich Gebäude flexibel an wechselnde Bedarfe anpassen lassen.
Einblicke in das Projekt
Ausgewählte Veröffentlichungen
- ZEIT ONLINE: Das hier ist Stuttgarts schnellste Baustelle, 11. Juli 2026
- db deutsche bauzeitung: Zirkulär geplant – modular gebaut, Ausgabe 06/2026
- brand eins: Das Holzbad, Ausgabe 02/2026
- Stuttgarter Zeitung: Zug um Zug – Stuttgarts erstes Schwimmbad aus Holz nimmt Gestalt an, 25.03.2026