Das neue Hallenbad Oppenheim ersetzt das in die Jahre gekommene Opptimare-Bad und schafft eine zeitgemäße Sport- und Freizeitinfrastruktur für die Verbandsgemeinde Rhein-Selz. Der Neubau umfasst ein 25-Meter-Schwimmerbecken mit sechs Bahnen und Sprunganlage, ein separates Lehrschwimmbecken sowie einen Kleinkindbereich. Damit bietet das Bad differenzierte Nutzungsmöglichkeiten für Schulen, Vereine, Familien und die Öffentlichkeit. Eine klare räumliche Organisation, kurze Wege und aufeinander abgestimmte Funktionsbereiche schaffen die Voraussetzungen für einen wirtschaftlichen Badebetrieb. Gleichzeitig sorgen Tageslicht, großzügige Blickbeziehungen und eine hohe atmosphärische Qualität für ein angenehmes und identitätsstiftendes Badeerlebnis.

Mit dem Neubau verfolgt die Verbandsgemeinde Rhein-Selz einen ganzheitlichen Nachhaltigkeitsansatz. Architektur, Tragwerk, Gebäudehülle, Gebäudetechnik und Freiraum wurden als zusammenhängendes System entwickelt. Ziel ist ein langlebiges, ressourcenschonendes und weitgehend energieautark betriebenes öffentliches Gebäude, das ökologische Verantwortung, gesellschaftliche Teilhabe und langfristige Wirtschaftlichkeit miteinander verbindet.

Energie lokal erzeugen und intelligent speichern
Die energetische Qualität beginnt bei der Architektur. Eine kompakte Organisation, die gezielte Ausrichtung transparenter Bauteile und eine hohe Tageslichtausnutzung über Fassaden und Dachöffnungen reduzieren den Bedarf an Wärme und künstlicher Beleuchtung. Unterschiedlich temperierte Bereiche und kurze Wege tragen zusätzlich zu einem effizienten Betrieb bei. Der verbleibende Energiebedarf wird nahezu vollständig aus regenerativen Quellen vor Ort gedeckt. Photovoltaik- und PVT-Module auf Dach- und Fassadenflächen sowie über den Stellplätzen erzeugen Strom und Wärme. Über die Gründungspfähle wird Erdwärme erschlossen und mittels Wärmepumpen für Heizung und Warmwasserbereitung nutzbar gemacht. Batteriespeicher gleichen kurzfristige Schwankungen aus. Überschüssiger Solarstrom kann durch Elektrolyse in Wasserstoff umgewandelt und saisonal gespeichert werden. Ergänzt wird das System durch die Rückgewinnung von Wärme aus Lüftung, Wasseraufbereitung und Energieerzeugung. So entsteht ein eng gekoppeltes Energiesystem, das den Verbrauch minimiert und die Abhängigkeit von externen Energieträgern deutlich reduziert.

Energiekonzept

Wasser in Kreisläufen führen
Auch das Wasserkonzept folgt dem Prinzip der Mehrfachnutzung. Ein differenziertes Leitungsnetz trennt Trink-, Brauch- und Regenwasser und ermöglicht es, für unterschiedliche Anwendungen jeweils die erforderliche Wasserqualität bereitzustellen. Rückspülwasser aus der Filtertechnik wird zwischengespeichert, aufbereitet und teilweise erneut genutzt. Gesammeltes Regenwasser dient unter anderem der Bewässerung der Außenanlagen und kann als Speisewasser für die Elektrolyse eingesetzt werden. Drei getrennte Beckenkreisläufe mit automatisierter Regelung unterstützen eine bedarfsgerechte und effiziente Wasseraufbereitung. Nach aktuellem Planungsstand lassen sich dadurch jährlich bis zu 3.000 Kubikmeter Trinkwasser einsparen. Gleichzeitig sinken Abwassermengen, Chemikalieneinsatz und die für die Wasseraufbereitung benötigte Energie.

Materialien für eine lange Nutzung
Die Materialwahl orientiert sich an den besonderen Anforderungen des Schwimmbadbetriebs: Feuchtebeständigkeit, Robustheit, Reinigungsfähigkeit und Wartungsfreundlichkeit sind entscheidend für eine lange Lebensdauer. Die Konstruktion kombiniert leichte Holz- und Stahltragwerke mit Stahlbetonelementen dort, wo Wasserbeständigkeit und hohe mechanische Belastbarkeit erforderlich sind. Fassaden- und Dachaufbauten sind mehrschichtig und möglichst trennbar konzipiert. Recyclingfähige Materialien, demontierbare Bauteile und klar voneinander lösbare Funktionsschichten erleichtern Reparaturen, spätere Anpassungen und die Rückführung der Materialien in technische Kreisläufe. Photovoltaik- und PVT-Elemente übernehmen dabei mehrere Aufgaben zugleich: Sie erzeugen Energie und bilden einen Teil des Wetter- und Sonnenschutzes. Indem der Neubau auf dem Standort des früheren Hallenbads entsteht, werden vorhandene Erschließungen weitergenutzt und eine zusätzliche Inanspruchnahme von Flächen vermieden. Das Gebäude wird damit als langfristiges Material- und Wertdepot gedacht – robust im Betrieb und anpassungsfähig für zukünftige Anforderungen.

Freiraum als klimasensible Infrastruktur
Die Außenanlagen übernehmen ökologische und soziale Funktionen. Wasserdurchlässige Beläge und begrünte Versickerungsmulden halten Regenwasser auf dem Grundstück zurück, dämpfen die Folgen von Starkregen und unterstützen die Grundwasserneubildung. Blumenwiesen, heimische Pflanzen und möglichst wenig versiegelte Flächen fördern die Artenvielfalt und verbessern das Mikroklima. Zugleich entsteht ein barrierefrei und kostenlos zugänglicher Freiraum mit Aufenthalts-, Spiel- und Lernangeboten. Ein Wasserspielplatz, Informationen zu Flora und Fauna sowie naturnah gestaltete Grünbereiche machen Klimaanpassung und Wasserkreisläufe unmittelbar erfahrbar. Der Freiraum ist damit nicht nur Außenanlage des Bades, sondern ein öffentlicher Treffpunkt und Lernort für die gesamte Region.

Soziale Infrastruktur für alle Generationen
Das Hallenbad schließt eine wichtige Versorgungslücke für Schulen, Vereine und die Öffentlichkeit. Ein 25-Meter-Becken mit sechs Bahnen und Sprunganlage, ein separates Lehrschwimmbecken sowie ein Kleinkinderbereich schaffen differenzierte Angebote für Sport, Schwimmunterricht, Bewegung und Erholung. Die klare räumliche Zonierung ermöglicht parallele Nutzungen, ohne dass sich Schul-, Vereins- und öffentlicher Badebetrieb gegenseitig beeinträchtigen. Alle Bereiche sind barrierefrei erschlossen. Kurze Wege, verständliche Raumfolgen und eine übersichtliche Organisation erleichtern die Orientierung und unterstützen einen wirtschaftlichen Betrieb. Jugend-, Senioren- und Inklusionsbeirat wurden in die Entwicklung des Projekts einbezogen. So entsteht nicht nur eine Sportstätte, sondern ein sozialer Ort, der Begegnung, Gesundheit und Teilhabe fördert.

Wirtschaftlichkeit über den Lebenszyklus
Ein reduzierter Energie- und Wasserverbrauch, langlebige Materialien, wartungsfreundliche Konstruktionen und modular aufgebaute technische Anlagen senken die Kosten über den gesamten Lebenszyklus. Die Energie- und Wassertechnik wird über ein Contracting-Modell finanziert und betrieben. Eine über 20 Jahre festgelegte Contracting-Rate schafft für die Verbandsgemeinde planbare Rahmenbedingungen und reduziert die unmittelbare Abhängigkeit von schwankenden Energiepreisen. Nachhaltigkeit zeigt sich damit auch in langfristiger Betriebssicherheit und kommunaler Handlungsfähigkeit.

Das Hallenbad Oppenheim verbindet regenerative Energieversorgung, zirkulären Ressourceneinsatz, klimaresiliente Freiräume und gesellschaftliche Offenheit. So wird aus einer kommunalen Pflichtaufgabe ein Modellprojekt für eine öffentliche Infrastruktur, die dauerhaft Verantwortung übernimmt.

Wer mehr über das Projekt und den aktuellen Baustand erfahren möchte, die Verbandsgemeinde Rhein-Selz hat dazu eine eigene Website eingerichtet: hallenbad-rhein-selz.de