Das Salinarium liegt in unmittelbarer Nähe des Kurparks im Zentrum von Bad Dürkheim. Mit der Erweiterung des bestehenden Freizeitbads um einen Thermen- und Saunabereich haben 4a Architekten das Ensemble behutsam weiterentwickelt und zugleich architektonisch neu gefasst. Ziel der Planung war es, den Neubau sorgfältig in die vorhandenen Strukturen von Freizeit- und Freibad einzubinden und das Gesamtbild des Salinariums deutlich aufzuwerten – ohne den laufenden Betrieb zu unterbrechen. Den architektonischen Auftakt bildet ein neu gestalteter Eingangsbereich mit weit auskragendem Dach. Mit seiner offenen Geste empfängt er die Besucherinnen und Besucher und verleiht dem Salinarium ein zeitgemäßes, prägnantes Gesicht nach außen.

Organisation und atmosphärische Inszenierung
Der Thermenbereich selbst ist von geschwungenen Formen geprägt, die fließende Raumsequenzen erzeugen und eine intuitive Orientierung unterstützen. Der Neubau erstreckt sich über drei Ebenen. Die Saunalandschaft entwickelt sich über alle Geschosse hinweg und bietet eine große thematische Vielfalt. Auf jeder Ebene ergänzen gastronomische Angebote mit unterschiedlichen Aufenthaltsqualitäten das Raumprogramm: ein Restaurant im Erdgeschoss, eine Kaminlounge im ersten Obergeschoss sowie großzügige Liegebereiche im zweiten Obergeschoss mit Blick auf Park und Stadt. Alle Ebenen öffnen sich zudem ins Freie. Ein Saunagarten mit Außensaunen, ein an die Thermalhalle angeschlossener Freibereich sowie eine Dachterrasse erweitern das Angebot und verknüpfen Innen- und Außenräume.

Materialität, Licht und Atmosphäre
Gestalterisch zeigt sich die Therme bewusst ruhiger und klassischer als das Freizeitbad. Ziel war es, eine zeitlose Atmosphäre mit hoher Dauerhaftigkeit zu schaffen. Warme Materialien wie Holzlamellen, Feinsteinzeug und keramische Beläge in gedeckten Farbtönen prägen die Innenräume. Auch die Becken sind grau gefliest – eine bewusste Entscheidung, die den ruhigen, gediegenen Charakter der Anlage unterstreicht. Die Lichtgestaltung ist integraler Bestandteil des architektonischen Konzepts. Während die Grundbeleuchtung zurückhaltend eingesetzt wird, akzentuieren präzise gesetzte Lichtlinien ausgewählte architektonische Elemente und unterstützen die räumliche Orientierung.

Die neue Außenverkleidung greift ein zentrales Motiv der Region auf. Ihre Farbgebung orientiert sich an der goldenen Tönung eines gereiften Rieslings und übersetzt die lokale Weintradition in eine architektonische Sprache. Umlaufende Fassadenbänder fassen den Thermenbereich zusammen und machen zugleich das Zusammenspiel von Bestand und Neubau klar ablesbar.

Weiterbauen im laufenden Betrieb
Die Erweiterung des Salinariums erfolgte unter laufendem Badebetrieb und erforderte ein hohes Maß an Präzision sowie Respekt gegenüber dem Bestand. Die bauliche Trennung zwischen Alt und Neu ist bewusst klar ablesbar und ermöglicht es, Vertrautes zu bewahren und dem Neuen zugleich Eigenständigkeit zu verleihen. Die Bestandsfassaden im Übergangsbereich wurden saniert und in das Gesamtkonzept integriert. Der Neubau basiert auf langlebigen Konstruktionen sowie einer reduzierten, robusten Materialität. Holz, Sichtbeton und keramische Beläge prägen die Innenräume. Großzügige, raumhohe Verglasungen versorgen die Innenräume mit Tageslicht und ermöglichen die Nutzung solarer Gewinne.

Nachhaltigkeit durch Erhalt und Transformation
Die Transformation des Salinariums zeigt exemplarisch das Potenzial des Weiterbauens. Der Erhalt des Bestands war unter anderem eine bewusste kulturelle und ökologische Entscheidung. Bestehende Gebäude sind Teil des kollektiven Gedächtnisses einer Stadt und speichern erhebliche Mengen grauer Energie. Ihr Erhalt schont Ressourcen, vermeidet Abfall und reduziert ökologische Belastungen. Das bestehende Freizeitbad wurde daher nicht ersetzt, sondern gezielt weiterentwickelt. Die vorhandene Struktur bildet das tragende Rückgrat für eine neue Therme, die das Bade- und Gesundheitsangebot erweitert und einen Ort der Entspannung, Gesundheit und Begegnung schafft.

Energie- und Gebäudekonzept
Durch eine hochwertige Gebäudehülle mit optimierten Dämmwerten und luftdichten Anschlüssen werden Wärmeverluste deutlich reduziert und die Energieeffizienz gegenüber dem Bestand spürbar verbessert. Lüftungsanlagen mit hoher Wärmerückgewinnung, bedarfsgerechte Steuerungen sowie Beckenabdeckungen tragen dazu bei, den Energiebedarf im Betrieb gering zu halten. Die Wärmeversorgung erfolgt über Fernwärme und ist damit stabil und emissionsarm.

Auch die technische Infrastruktur folgt nachhaltigen Prinzipien. Getrennte Badewasserkreisläufe, die Rückgewinnung von Wärme aus Prozesswasser, ein stagnationsfreies Trinkwassersystem sowie die zentrale Steuerung über die Gebäudeleittechnik sichern Effizienz, Hygiene und langfristige Nutzbarkeit. Ergänzend erzeugen Photovoltaikflächen an Fassade und Dach einen Teil des benötigten Stroms. Extensive Gründächer verbessern den Regenrückhalt, das Mikroklima und die Lebensdauer der Dachflächen.

Beständigkeit und Zukunftsfähigkeit
Das Salinarium zeigt, dass nachhaltiges Bauen im Weiterdenken des Bestehenden beginnt. Durch die Erweiterung des Freizeitbads um einen Thermenbereich entsteht ein Ort, der vertraut bleibt und zugleich neue, zeitgemäße Angebote schafft. So verbindet das Projekt Beständigkeit mit Modernität und ist langfristig ökologisch wie sozial zukunftsfähig.

Grundriss Erdgeschoss (Bestand grau hinterlegt)